Daniel Cohn-Bendit

Angela - Sitzfleisch einer Kanzlerin

Uns geht es gut, Herr Cohn-Bendit? 

Journal Frankfurt vom 30. März 2010. Der PflasterStrand-Gründer und heutige EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nimmt alle 14 Tage im Journal Frankfurt zur Lage der Nation im Allgemeinen und zur Lage der Stadt Frankfurt im Speziellen Stellung. Spontan am Telefon und natürlich nicht ohne ein Augenzwinkern...

Die Regionalwahlen in Frankreich sind vorbei – mit einem niederschmetternden Ergebnis für Sarkozy. Sind Sie glücklich?

Es ist ein gutes Ergebnis, ein gutes Ergebnis auch für unsere Europe Ecologie, die sich damit als dritte Kraft neben den Konservativen und den Sozialisten etablieren konnte.

Lässt sich der Erfolg der französischen Grünen auch auf Deutschland übertragen?

Die Grünen sind nach den Umfragen schon seit Monaten die dritte Kraft, weil sie die meisten Vorschläge zur ökologisch-ökonomischen Erneuerung der Gesellschaft anbieten.

Die Bundesregierung wird die Kunduz-Affäre nicht los. Die Regierungsspitze wusste wohl doch schon sehr früh von zivilen Opfern. Wird dies der Regierung schaden?

Es wird ihr sicherlich schaden. Vor allem verwundert es mich, dass nicht nur die Kanzlerin, sondern auch der Außenminister davon nichts gewusst haben wollen. Aber was weiß ich, ich war ja nie Teil einer Bundesregierung. Doch Angela Merkel agiert ja nicht nur diesbezüglich äußerst seltsam.

Sie meinen ihre Haltung gegenüber Griechenland?

Das ist ein unglaubliches Verhalten. Sie ist nicht auf eine partnerschaftliche Politik aus, sondern agiert wie jemand aus dem 19. Jahrhundert.

Der Stern hat schon getitelt: „Angela Kohl“ – weil unsere Bundeskanzlerin alles aussitzt. Ein passender Vergleich?

Kohl hatte wenigstens einen fünften Sinn für die europäische Gesamtlage. Das fehlt ihr doch völlig. Sie sitzt nur aus, sonst nichts.

Was Helmut Kohl angeht, so wollen einige Christdemokraten zu seinem 80. Geburtstag Milde walten lassen: Seinen CDU-Ehrenvorsitz soll der Altkanzler wiederbekommen. Auch Ihre Meinung?

Das ist mir egal. Ich bin doch nicht der Therapeut der CDU!

Dann tut es mir leid, noch diese Frage stellen zu müssen: Hessens Innenminister Volker Bouffier geht es mit einem Untersuchungsauschuss an den Kragen – eigentlich wollte der ja mal Roland Koch beerben. Wird daraus jetzt noch was?

Wenn Roland Koch vorher geht, vielleicht. Die nächste Landtagswahl wird seine Partei jedenfalls nicht mehr gewinnen.

Nach dem Rückzug eines weiteren CDU-Abgeordneten hat Schwarz-Grün in Frankfurt keine Mehrheit mehr. Was tun?

Es gibt ja noch die Stimmen der FDP. Als Freund radikaler Schritte wäre ich eigentlich für Neuwahlen. Schade, dass dies rechtlich nicht möglich ist, denn von einer Parlamentsauflösung würden die Grünen profitieren, und es bliebe den Wählern überlassen, sich über die Neuordnung der CDU-Fraktion Gedanken zu machen. So müssen wir darauf bis 2011 warten.

Die Eintracht hat gegen Bayern gewonnen. Wie sehr hat Sie das gefreut?

Das war fantastisch. 80 Minuten dachte man: „Das darf doch nicht wahr sein!“ Und dann endete die Glückssträhne der Bayern. Ein Spiel zum Champagneröffnen.

Jetzt muss die Mannschaft nur noch auf dem Boden bleiben …

Mir scheint, dass sie das schafft. Es muss jetzt auch darum gehen, den Aufbau für die nächste Saison zu meistern. Etwa in dem mal neue Spieler ausprobiert werden, wie zum Beispiel Clark. Das Ziel muss sein, in der kommenden Spielzeit die Europaliga-Plätze zu erreichen.

Die Fragen stellte Nils Bremer