Daniel Cohn-Bendit

Von den Regionen Frankreichs nach Hessen

Journal Frankfurt vom 4. Februar 2010 

Der PflasterStrand-Gründer und heutige EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nimmt alle 14 Tage im Journal Frankfurt zur Lage der Nation im Allgemeinen und zur Lage der Stadt Frankfurt im Speziellen Stellung. Spontan am Telefon und natürlich nicht ohne ein Augenzwinkern...

Wir erwischen Sie gerade in Paris. Was gibt es dort denn Neues?

Es ist gerade Wahlkampf. In 26 Regionen und Überseegebieten werden zwischen dem 14. und 21. März die Parlamente neu besetzt. Da bin ich natürlich im Einsatz.

Und wie wird es ausgehen?

Ich denke, die Grünen werden am Ende zwischen 13 und 16 Prozent erreichen.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat in diesem Zusammenhang auch gerade seinen jährlichen Fernsehauftritt absolviert. Haben Sie sich das angesehen?

Das war sehr spannend. Er war ja im Gespräch mit elf Bürgern und hat durchaus Empathie gezeigt. Doch gleichzeitig konnte er mit seiner Redefähigkeit keine Verbindung herstellen, er ist soweit weg von den Problemen der Menschen.

Ganz anders als Obama, oder? Der stellt sich einfach hin und sagt den Banken: „We want our money back!“

Absolut, ja! Und er hat ja recht: Die Banken, die jetzt wieder große Gewinne einfahren, müssen das Geld zurückzahlen, dass man ihnen in der Krise gewährt hat. Auch Obamas Regulierungspläne sind richtig. Der Spekulation muss endlich Einhalt geboten werden.

Kommen wir in die Niederungen hiesiger Politik. Die SPD fordert einen Afghanistan-Abzug für das Jahr 2015. Wie sieht Ihre Exit-Strategie aus?

Ich stehe dazu, was Tom Koenigs mit formuliert hat: Man muss die staatliche Interventionsfähigkeit der Afghanen stärken, man muss die Polizei und Armee im Land ausbauen und stärken. Wenn man dies schafft, kann die Bundeswehr auch abziehen.

Von der SPD zur FDP. Die ist in den Umfragen auf nur noch neun Prozent abgestürzt. Verspüren Sie Genugtuung?

Kann man so sagen. Doch so sehr ich verstehen kann, dass die FDP nur noch neun Prozent hat, so wenig kann ich verstehen, dass die Grünen in der gleichen Forsa-Umfrage auf 16 Prozent kommen. Das erscheint mir nicht wirklich realistisch.

Bleibt noch die CDU - deren Landtagsabgeordneter Volker Hoff geht als Vizepräsident für Regierungsangelegenheiten zu Opel, will sein Mandat aber behalten.

Das passt zur politischen Moral dieser hessischen CDU.

Immerhin gibt die Opposition im Hessischen Landtag langsam Gas: ein Untersuchungsausschuss zur  Steuerfahnder-Affäre und großer Aufruhr um die Hartz-IV-Schelte Kochs, die Klage gegen das Nachtflugverbot, die Laufzeitverlängerung von Biblis ... nur einen ficht das alles nicht an: Roland Koch. Ein Zeichen von Standfestigkeit?

Ein Zeichen dafür, dass Roland Koch weiß, dass er politisch am Ende ist. Mit dem, was er sich geleistet hat, wird er in der CDU auf keinen grünen Zweig mehr kommen. So wie es derzeit aussieht, kann er noch das Ende der Legislaturperiode abwarten und sich schon mal auf sein Rentnerdasein vorbereiten. Das war’s.

Zum Sport. Großer Umbau bei Eintracht Frankfurt: Mahdavikia geht in den Iran, Pirmin Schwegler ist für einige Wochen verletzt, Oka Nikolov will in die USA wechseln – und Altintop kommt von Schalke an den Main. Kann die Mannschaft mit soviel Unruhe umgehen?

Na, jetzt seid mal nicht so ... Ich finde, dass Skibbe mit seinem Mannschaftsumbau recht hat, und auch mit der Unruhe, die der erzeugt. Es gibt natürlich Unwägbarkeiten. Schweglers Verletzung ist nur ein Beispiel. Ein anderes wäre, wann Chris zurückkommt oder dieser Rambo Clark einsatzbereit ist. Davon hängt in dieser Saison viel ab.

Die Fragen stellte Nils Bremer