Daniel Cohn-Bendit

Unseriöse Zeitungsartikel zum Theodor-Heuss-Preis

 

Im Zuge der Theodor-Heuss-Preis-Verleihung" fielen die Tageszeitung und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung durch unseriöse und verleumderische Berichterstattung auf, indem sie Zitate aus dem Zusammenhang gerissen haben und Bekräftigungen erfunden haben. Hier die Leserbriefe der betroffenen Eltern und Interviewpartnern, das Interview in der TAZ und der Elternbrief von 2001.

Leserbrief an die TAZ vom 20.4.2013

Die Anfeindungen gegen Cohn-Bendit erinnern fatal an das Schicksal Heinrich Heines

Mit Empörung muss ich feststellen, dass nun sogar in der TAZ ein Artikel von dem Autor Christian Füller erschienen ist, in dem Daniel Cohn-Bendit in die Nähe pädophiler Täter gerückt wird. Ich dachte, wir hätten als betroffene Eltern aus der Uni-Kita (gemeinsam mit Eltern aus einer späteren Krabbelstube) in einem offenen Brief im Jahre 2001 den Sachverhalt ausreichend aufgeklärt. Die Äußerungen in dem Buch waren eine Fiktion und Provokation, sie sollten schockieren. Wir haben in dem Brief damals schon erklärt, dass sie im Zeitkontext gesehen werden müssen. Sie sind und waren jedoch keine Beschreibung realer Vorkommnisse in der Kita. Weder die Eltern, mit denen ich noch heute befreundet bin, noch deren Kinder, einschließlich meines Sohnes, haben jemals Dinge berichtet, die auf sexuelle Übergriffe hindeuteten. Die Uni-Kita war sehr öffentlich, und jede kleinste Begebenheit wurde intensiv diskutiert. Daher sind wir in dieser Frage absolut sicher. Auch unsere Kinder, die sich noch gut an ihre Kitazeit und an Herrn Cohn-Bendit als Betreuer erinnern können, sehen das genauso. Viele davon sind heute noch befreundet, sie sind selbst Eltern und erinnern sich gerne an diese Lebensphase.

Ich vermisse bei diesem Journalismus die gründliche Recherche der Kita- Kinder und ihren Eltern.

Heidi Ulmke, München


Leserbrief an die FAZ vom 23. 4. 2013

Leserbrief und Gegendarstellung zum Artikel „Unakzeptabel“

In Ihrer Zeitung vom Sonntag sind Fragmente des Gesprächs erschienen, das ich mit Herrn Füller (der sich mir als TAZ Autor vorstellte !!) geführt habe.

Ich habe Herrn Füller nicht autorisiert, Teile davon zu veröffentlichen, sondern klar gesagt, dass ich ihm das Interview nur als ganzen Text freigebe.

Ich konnte auch nichts „gegenüber der FAS bekräftigen“, weil ich dieser Zeitung gar kein Interview gegeben habe.

So aus dem Zusammenhang gerissen ergeben meine Worte einen völlig anderen Sinn:

Ich fühle mich davon diffamiert,als „Pseudoentlasterin“dargestellt zu werden. Ich konnte mir sehr wohl ein Bild über Dany als Bezugperson und seinen Umgang mit Kindern machen, da er in der Krabbelstube der Freien Schule als Bezugsperson arbeitete, in der mein Sohn war. Darauf hat sich der Brief, den ich mit anderen Eltern im Jahre 2001 verfasst hatte, bezogen. Dass der Brief auch von Eltern mitverfasst und mitunterzeichnet war, die ihre Kinder in der fraglichen Zeit in der Uni-Kita hatten, auf die sich der Text Dany Cohn-Bendits bezieht, nämlich in den 70er Jahren, geht aus dem Brief eindeutig hervor. Dieser Teil des Briefes ist offenbar absichtsvoll weggelassen worden, weil sonst die headline der Vorabmeldung „ Mutter korrigiert ihre Entlastung Cohn-Bendits“ nicht möglich gewesen wäre. Alle hatten die Erfahrung und Überzeugung, dass Dany niemals die Grenzen unserer Kinder überschritten hat. Deshalb haben wir den Brief verfasst. Und darum geht es doch wohl und nicht darum, wie gründlich einzelne Eltern das Buch: “Der Großen Basar“ gelesen haben. Nach wie vor sind diese Eltern mit mir der festen Überzeugung, dass Dany Cohn-Bendit immer einen reflektierten und verantwortungsbewussten Umgang mit den Kindern hatte, die ihm anvertraut waren.

Soweit mein Text, den ich Sie bitte fairerweise als Leserbrief abzudrucken.

Weiterhin teile ich Ihnen mit, dass ich eine Information des Presserates über diesen unglaublichen Vorgang eines unter falschen Angaben erschlichenen und veröffentlichten Interviews vorhabe und mir weitere rechtliche Schritte vorbehalte.

Dorothea Vogel, Frankfurt


Das komplette und vollständige Interview der TAZ mit Dorothea (Thea) Vogel:

Interview von Christian Füller mit Thea Vogel

Frage: Sie haben 2001 den Brief geschrieben, in dem Sie und andere Eltern Daniel Cohn-Bendit von dem Vorwurf freisprachen, er könnte Missbrauch begangen haben. Wie kam das damals?

Thea Vogel: „So genau hatte ich den Großen Basar nicht gelesen. Ich war aber erschüttert, wie dieses Buch, das er 1975 geschrieben hatte, 2001, also 26 Jahre nach seinem Erscheinen, durch die Presse skandalisiert wurde. Ich war empört darüber, dass daraus eine Kampagne gegen Dany gemacht wurde, um ihn politisch zu diskreditieren. Ich fand auch die Anschuldigung gegen Dany, dass er pädophil sei, vollkommen haltlos."

Trotz der problematischen Stelle?

"Ich hatte die entsprechenden Stellen in dem Buch eher für eine Provokation gehalten. Mein Sohn war damals nicht in der Universitäts-Kita, um die es in dem Buch ging, sondern in der Krabbelstube im Haus der Freien Schule. Den damaligen Brief haben Eltern unterzeichnet sowohl aus der Uni-Kita als auch aus unserer Krabbelstube. Dany war später, 1981, als Bezugsperson für unseren Sohn tätig, zusammen mit einer Frau. Ich und die anderen Eltern hatten vollstes Vertrauen zu ihm, wie auch die Eltern aus der Uni-Kita, die den Brief auch unterschrieben haben. Die Qualität der Betreuung war uns Eltern sehr wichtig: So waren die beiden Bezugspersonen für 8 Kinder immer zu zweit, weil die Kinder noch sehr klein waren (ein bis zwei Jahre alt). Für viele, vor allem junge Menschen ist es heute schwer, zu verstehenverstehen, dass die 70 ger Jahre eine ganz andere Zeit waren.Vor dem Eltern-Werden hatten wir vor allem innerhalb der Frauenbewegung detailliert über Sexualität diskutiert, weil wir Frauen herausfinden wollten, welche Bedürfnisse wir wirklich haben. Kenntnis und Erforschung des eigenen Körpers, selbstbestimmte Sexualität, Kritik an der patriarchalischen Gesellschaft waren Themen dieser Zeit. Parallel dazu entstand die Debatte über antiautoritäre Erziehung."

Was meinen Sie damit?

„Wir waren junge Leute, Dany und wir kannten uns alle aus der Studentenbewegung. Uns hat damals vieles gestört, dagegen haben wir an vielen Stellen diskutiert und manchmal auch provoziert. Dazu gehörte auch die verklemmte und falsche Sexualmoral. Die sexuelle Aufklärung war eine Katastrophe in den 1950er und 60er Jahren, Eltern oder Lehrer schwiegen entweder peinlich berührt oder erzählten falsche Dinge wie z.B. dass Onanie krank mache. Und wir dürfen nicht vergessen, dass vor allem viele Frauen unter der traditionellen Sexualpraxis gelitten haben.“

Was machen Sie heute und wie stehen Sie zu den Ideen von damals?

„Ich war damals Lehrerin und arbeite nun seit langem in einem Familiengesundheitszentrum. Ich finde frühe und ungezwungene sexuelle Aufklärung von Kindern immer noch vollkommen richtig und wichtig. Selbstverständlich stehe ich dazu. Mir ist es aber wichtig, dass die Kinder die Grenzen setzen. Das heißt, ich werde in einem Gespräch mit einem Kind über seinen Körper oder seine Sexualität nur das thematisieren und beantworten, was es selbst wissen möchte. Ich würde nicht aktiv dem Kind Themen wie Geschlechtsverkehr oder Geschlechtsteile aufoktroyieren.“

Und bei den Handlungen, die beschrieben sind?

„Hier gibt es für mich ganz klare Richtlinien: Ich mache natürlich nichts mit dem Kind, was meiner eigenen sexuellen Befriedigung dient. Das gilt ganz grundsätzlich: Niemand darf die Gefühle und Bedürfnisse eines Kindes für seine Erwachsenensexualität nutzen. Mit anderen Erwachsenen ja – aber doch nicht mit Kindern.“

Was heißt das genau?

„Wenn es passiert, dass sich ein Kind forschend nähert, dann muss ich ganz klare Grenzen einhalten. Wenn dabei eigene sexuelle Wünsche entstehen, muss ich mich zurückziehen.“

Wie lesen sie Daniel Cohn-Bendits Stellen im Großen Basar heute?

„Ich finde völlig unangebracht, was da beschrieben ist. Das sieht Dany heute doch auch selber so. Ich muss als Erwachsener sagen: Stopp! Und mich nicht auf zwiespältige Handlungen einlassen.

Wie finden Sie seinen Umgang mit dem Thema?

„Ich frage mich, was das mit Dany macht. Ich glaube, er leidet unter den immer wieder erhobenen Anschuldigungen, die ja daraus entstanden sind, dass er ein großer verbaler Provokateur ist. Er spitzt Dinge zu und präsentiert sich gern als Avantgarde. Das hat in vielen Punkten sein Gutes, weil es Bewegung in manche Debatten bringt. Aber es kann auch, wie jetzt, immer wieder gegen ihn hochgekocht werden. Ich bin mir sicher: Er weiß schon lange, dass die besagten Aussagen eine sehr blöde Beschreibung waren, dass er den Bogen der Provokation überspannt hatte. Das macht es ihm heute vielleicht schwer, sich offensiv zu dem Thema zu äußern. Seine Bemerkungen beruhten nicht auf realen Handlungen sondern waren Fiktion - eine Zusammenfassung der Diskussion über Sexualität von Kindern und Erwachsenen, die auf der Suche war. Aber es ist ausgeschlossen, dass er etwa pädophil sein könnte oder eine solche Denkrichtung verteidigt . Er war als Person kein bisschen anzüglich.“


Elternbrief der betroffenen Eltern vom 31.01.2001

Elternbrief [pdf] .