Daniel Cohn-Bendit

Daniel Cohn-Bendit: "Ein 2:9? Das wäre schlimm"

TZ - 06.04.2013 

Frankfurt - Der Grünen-Politiker und Alt-68er Daniel Cohn-Bendit feierte am Donnerstag seinen 68. Geburtstag. Die tz erreichte den Eintracht-Fan beim Walken.

Herr Cohn-Bendit, wie lebt es sich derzeit denn so als Fan in Frankfurt?

Cohn-Bendit: Sehr gut, wenn man die Bodenhaftung behält. In der Hinrunde hat die Eintracht über ihrem Potenzial gespielt, jetzt normalisiert es sich.

Beginnt man in Frankfurt beim Blick auf die Tabelle zu träumen?

Cohn-Bendit: Die Vereinsführung ist da realisitisch. Und Fans wie ich, wir sind kleine Kinder, wir wünschen uns, dass das Märchen weitergeht und wir die Bayern schlagen.

Erwarten Sie ein Spitzenspiel?

Cohn-Bendit: Wir haben einen unterkühlten Frühling. ich denke, es wird auch ein unterkühltes Spiel. Vielleicht ist aber auch nach fünf Minuten totale Hektik und alles Rationale vergessen. Die Chance der Eintracht ist, dass die Bayern im Unterbewusstsein lieber in München Meister werden würden und das Rückspiel gegen Turin deutlich wichtiger ist.

Wäre es schlimm, wenn die Bayern in Ihrem Stadion Meister werden?

Cohn-Bendit: Nein, realistisch gesehen wird es auch so kommen. Schlimm wäre es nur, wenn wir 2:9 baden gehen würden wie die Hamburger.

Hoffen Sie, dass Frankfurt die Qualifikation für die Champions League schafft?

Cohn-Bendit: Ach, ich finde man muss, die Herausforderung des Glückes gegebenenfalls annehmen und nicht zu viel rechnen. Jogi Löw hat im Halbfinale gegen Italien zu viel gerechnet und das ging gehörig schief.

Ein großer Anteil am Erfolg gebührt Trainer Armin Veh. Sind Sie froh, dass er nun doch bleibt?

Cohn-Bendit: Veh hat Frankfurt gutgetan, aber wenn er gegangen wäre, hätte es auch andere Trainer gegeben. Aber warum hätte er sich Schalke antun sollen? Dort muss er etwas werden, in Frankfurt kann er etwas werden. Das gilt im Übrigen auch für einige Spieler. Wenn Sebastian Jung in Wolfsburg untergehen will, ist das seine Entscheidung. Wenn Sebastian Rode glaubt, dass er auf der Dortmunder Bank besser lebt, ist das auch in Ordnung.

Wie gefällt Ihnen der Ex-Münchner Stefan Aigner?

Cohn-Bendit: Ein geglückter Transfer. Er hat eine gute Nase vor dem Tor und steht oft richtig. Im Spielfluss hat er aber einige dilettantische Fehlpässe.

Im Tor wird Oka Nikolov stehen.

Cohn-Bendit: Da mache ich mir keine Sorgen, außerdem wird ein Spiel selten vom Torhüter entschieden. Manuel Neuer ist zurzeit auch nicht in Topform. René Adler kann neun Buden reinkriegen. Kevin Trapp war sehr stark, er könnte ein Konkurrent für Neuer in der Nationalmannschaft werden.

Sie gelten nicht unbedingt als Bayernfreund. Aber muss man ihre Spielweise im Moment nicht einfach lieben?

Cohn-Bendit: Im Zweifel bin ich immer gegen die Bayern. Aber derzeit spielen sie einen sehr guten Fußball, das muss ich zugeben. Das haben sie auch gegen Turin bewiesen. Genervt hat mich da übrigens Marcel Reif, der sollte nie wieder ein Bayernspiel kommentieren. Er ist zu sehr Fan dieser Mannschaft.

Einen unschönen Moment hatte auch Franck Ribéry.

Cohn-Bendit: Ribéry ist ein Ausnahmefußballer, aber bei ihm setzt manchmal das Hirn aus. Die Brutalität seines Fouls musste sogar Reif akzeptieren. Aber in Frankreich lieben sie ihn wieder nach seinen guten Spielen für die Nationalmannschaft.

Sollte man ihn nachträglich sperren?

Cohn-Bendit: Ja, weil es eine Tätlichkeit war. Er war sauer und hat absichtlich getreten. Auf dem Spielfeld sind erwachsene Männer manchmal vollkommen irrational. Ich kenne das von mir selbst, wir haben uns beim Fußball mit 50 Jahren noch angebrüllt wie die kleinen Kinder.

Interview: M. Müller