Kapitän Guido Westerwelle hat das sinkende Schiff FDP verlassen. Kann Boatboy Philipp Rösler das Ruder rumreißen?
Die Entwicklungen bei der FDP sind noch nicht vorbei. Sie kann es nur schaffen, wenn sie die Brüderles und Konsorten abservieren. Ansonsten hat es auch ein Philipp Rösler sehr schwer. Und im Grunde genommen hat nicht Guido Westerwelle das Schiff verlassen, sondern er wurde verlassen. Er segelte noch weiter, aber ohne Schiff.
Kommen wir vom Migranten Rösler zur Integration: In Frankfurt ist eine Diskussion entbrannt, ob das Integrationsdezernat hauptamtlich werden soll. Warum wurde es 1989 überhaut als ehrenamtlich errichtet?
Das war damals schon eine schwere Pille für die SPD. Und es war mein Schachzug ein Integrationsdezernat durchzusetzen. Eigentlich wollten wir ein hauptamtliches Integrationsdezernat, aber die SPD wollte gar keins. Und so haben wir uns mit viel Druck auf ein ehrenamtliches geeinigt. Damals war die SPD noch der Ansicht, das Deutschland kein Einwanderungsland ist.
Man munkelt, der damalige Umweltdezernent Tom Koenigs habe Ihnen die Hälfte seines Gehalts abgedrückt. Stimmt das?
Überhaupt nicht. Als Ehrenamtlicher habe ich, so wie alle Ehrenamtlichen, eine Aufwandsentschädigung bekommen. Und mein tägliches Brot habe ich als Publizist verdient. Das ist ja wirklich ein Witz. Aber Tom Koenigs ist so ein großzügiger Mensch, wenn ich aus dem letzten Loch gepfiffen hätte, hätte er mich bestimmt finanziell unterstützt. Aber das war nicht der Fall.
Die Grünen sind sich uneins. Die einen wollen das gute Wahlergebnis nutzen, um von der CDU das Planungsdezernat zu fordern. Die anderen halten ein hauptamtliches Integrationsdezernat für wichtiger. Ist den Grünen das Thema Integration wurscht?
Nein, das Problem sind die Diskussionen. Man könnte auch das Planungs- und Umweltdezernat in einem vereinen.
Und Sie? Sind für ein grünes Planungsdezernat oder ein hauptamtliches Integrationsdezernat?
Ich fände ein hauptamtliches Integrationsdezernat richtig. Und dort könnte man dann Abteilungen vom Sozial-, Sicherheits- und auch dem Schuldezernat unterbringen. Denn schon in den Kindergärten ist das Thema Integration vorhanden. Und in Familien und bei der Prävention spielt das Thema auch eine Rolle.
Die Kommunale Ausländervertretung prangert an, dass im Magistrat niemand mit Migrationshintergrund sitzt, abgesehen von der ehrenamtlichen Integrationsdezernentin Eskandari-Grünberg. Woran liegt das?
Das liegt an der Struktur der politischen Parteien. Aber die Grünen auf Bundesebene sind mit Cem Özdemir auf einem guten Weg. Allerdings müssen sich die Frankfurter Grünen noch anstrengen. Und da muss ich jetzt mal die CDU loben, die bei der Kommunalwahl mit der türkischen Kandidatin Ezhar Cezairli angetreten ist. Die CDU bemüht sich. Weiter so, Parteien, bemüht euch.
Frau Eskandari-Grünberg hat das Integrationskonzept vorangetrieben. Jetzt muss es nur noch umgesetzt werden. Würde das eine hauptamtliche Stadträtin rechtfertigen?
In den Sarrazin-Zeiten ist Integration immer ein politisches Signal.
Und was ist mit dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten. Spielt das überhaupt noch eine zentrale Rolle in Frankfurt?
Natürlich. Das arbeitet vor sich hin. Es ist ein Wahrzeichen für die Frankfurter Integration. Ich würde das neue Amt Dezernat für multikulturelle Angelegenheiten und Integration nennen.
Zur Eintracht: Seit Trainer Christoph Daum in Frankfurt ist, ist die Mannschaft zurück in die öffentliche Wahrnehmung gekehrt. Wandelt sich die Mannschaft jetzt von der grauen Maus zurück zur schillernden Diva?
Dann müssten sie besser spielen. An ihrer Spielweise ist noch nichts schillernd. Nur ein treuer Eintracht-Fan hofft, dass die Spielweise besser wird. Aber wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Die Fragen stellte Julia Lorenz