Daniel Cohn-Bendit

Obama, Wehrpflicht und die Vuvuzelas

Journal Frankfurt vom 22. Juni 2010 

Der PflasterStrand-Gründer und heutige EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit nimmt alle 14 Tage im Journal Frankfurt zur Lage der Nation im Allgemeinen und zur Lage der Stadt Frankfurt im Speziellen Stellung. Spontan am Telefon und natürlich nicht ohne ein Augenzwinkern...

Die Deutschen vertrauen Obama eher als Angela Merkel. Wer von beiden findet zuerst aus der Krise?

Obama! Angela Merkel mit ihrer Gurkentruppe wird es nicht schaffen. Sie ist mit ihrer gefühlten Unfähigkeit eine Enttäuschung für Deutschland.

Angesichts der Öl-Katastrophe will Obama sein Land modernisieren und die Energiewende einläuten. Kann er das schaffen?

Der Anspruch ist schon einmal richtig. Aber jetzt müssen wir erstmal seine konkreten Vorstellungen abwarten.

Frankreichs Regierung macht mit dem Sparen Ernst: Rente mit 60 adieu. Gute Idee?

Das Problem ist, dass dieser Sparkurs einfach ungerecht ist – sowohl in Deutschland als auch in Frankreich. Man kann nicht alle Berufe über einen Kamm scheren. Denn wenn ein junger Mensch schon ab seinem 17. Lebensjahr in einer Fabrik arbeitet, hat er automatisch eine kürzere Lebenserwartung. Nur die Zeit der Einzahlung muss verlängert werden.

Nun ist es amtlich: Wehrpflichtige müssen vom 1. Juli an nur noch ein halbes Jahr zur Bundeswehr, auch der Zivildienst wurde verkürzt. Wie stehen Sie dazu?

Ich plädiere grundsätzlich dafür, dass die Wehrpflicht und die nationalen Armeen abgeschafft werden müssen. Wir brauchen eine europäische Arme mit 350.000 Europäern. Das würde eine Menge Geld sparen und die Einsatzfähigkeit stabilisieren. Ein Freiwilliges Soziales Jahr für alle wäre sinnvoller.

Der hessische FDP-Landeschef Jörg-Uwe Hahn wettert gegen die schwarz-gelbe Bundesregierung. Die Koalition würde dieses Jahr nicht überstehen. Eine Genugtuung für Sie?

Na ja, ich habe so meine Schwierigkeiten Jörg-Uwe Hahn zuzuhören. Aber er könnte dem Spuk ganz schnell ein Ende setzen, wenn er Joachim Gauck wählt.

Die Franzosen stehen vor dem WM-Aus. Woran liegt’s?

Sie sind einfach schlecht. Sie spielen schlecht, sind schlecht organisiert, bilden keine Einheit und haben einen schlechten Trainer.

Bedauern Sie das?

Ich bedauere das nicht wirklich. Die Mexikaner waren einfach besser. Außerdem glaube ich immer noch an die Elfenbeinküste.

Bis zum Finale?

Klar. Sie werden sich gegen Nordkorea für das Achtelfinale qualifizieren.

Wie stehen Sie zu dem Thema „Vuvuzela“. Verbieten oder nicht?

Nicht verbieten. Man wusste doch vorher, dass die Vuvuzela das Symbol des südafrikanischen Fußballs ist. Man muss aufhören, zu jammern. Allerdings könnte man diese hässlichen Plastik-Vuvuzelas verbieten. Die machen schreckliche Geräusche. Aber die aus Holz finde ich prima.

Wie beurteilen Sie die deutsche Elf?

Gegen Australien hat die deutsche Mannschaft sehr gut gespielt. Da war ich zufrieden mit ihrer Leistung.

Mesut Özil wird bereits jetzt als neues „Jahrhunderttalent“ gefeiert. Stimmen Sie zu?

Erst einmal: Danke Rot-Grün! Danke, dass ihr das Staatsbürgerschaftsrecht reformiert habt. Ohne diese Änderung würden kein Özil, kein Cacau und kein Khedira in der deutschen Mannschaft spielen. Alle CDUler müssen auf die Knie fallen. Und zur Frage: Özil ist wirklich ein großes Talent.

Die Fragen stellte Julia Lorenz